2.0 Hotrod Racing Holland

 

 

Interview Frank Noehring on his comeback to Ovalracing in 2014

Frank Nöhring - are you ready to gamble again?

 

Das Telefon klingelt, als wir es uns, wie im Ruhrgebiet üblich, in der Küche bequem gemacht haben.

Am anderen Ende ist Gerard Emming, der Motorenbauer aus Ter Apel. Er hat die Nummer des KFZ Meisters aus Recklinghausen gewählt, um über den neuen 2.0 Pinto Motor zu sprechen, der gerade auf dem Prüfstand gelaufen hatte. Der Motor ist das letzte Puzzlestück zu dem Rechtslenker Tigra A, mit dem Frank am Ostersonntag in Ter Apel antreten will.

 

Das Auto selber haben wir schon am Nachmittag gesehen. Ein Tigra A, in England gebraucht erworben, neu aufgebaut und mit einer wunderschönen Lackierung in den Teamfarben von Gambler Racing versehen. Frank verabredet sich für den folgenden Morgen mit dem Tuner, um den Motor abzuholen und schon einige Stunden später quakt der kleine grüne Frosch, wie man den Tigra liebevoll getauft hat, munter vor sich hin.

 

 

 

   

Eigentlich ist Gerard Emming mitschuldig daran, daß Frank seine Liebe zum Ovalracing oder Autospeedway neu entdeckt hat, als er ihn im letzen Herbst auf eine Revolution im Sport hingewiesen hat. Nach über 50 Jahren werden nämlich erstmals auf dem Kontinent Rennen mit rechtsgelenkten Tourenwagen clockwise, also rechtsherum gefahren. Das Ziel ist, mit diesen Fahrzeugen sowohl hier als auch in England antreten zu können - mit gleichem Konzept. "Mit einem Linkslenker bist Du in England auf verlorenem Posten, die neue Klasse sorgt zumindest theoretisch für Chancengleichheit". Was er meint, ist natürlich bezogen auf den großen Erfahrungsvorsprung der Briten. Trotzdem, mit Spedeworth Motorsports hat der Veranstalter in Ter Apel, die NNO, einen Kooperationsvertrag mit DER Top Organisation in England geschlossen, der viele Früchte tragen wird. So sind dann per sofort auch Fahrer aus Deutschland und den Niederlanden berechtigt, an den großen Meisterschaftsläufen teilzunehmen; Ende September kommen dann die besten Fahrer aus England nach Ter Apel, um an dem ersten großen Rennen auf dem Kontinent, der "Dutch Open" teilzunehmen.

 

Die 2.0 Hotrods besitzen einen Rohrrahmen mit der Karosserie eines Saxo, Clio, Corsa oder Tigra und verfügen über einen ca. 150 PS starken, vorn eingebauten Ford OHC Motor. Die Kraft wird über ein spezielles Getriebe an die Hinterachse weitergeleitet. Bei nur 700kg Fahrzeuggewicht umrunden diese Rennwagen die 330-400m langen Asphalt-Ovale in unglaublich hoher Geschwindigkeit. Durch ein straffes Reglement, preiswerte Komponenten und Reifen liegen die Einsatzkosten deutlich unter denen eines National Hotrods - bei gleichem Spaß.
 

 

 

 

Die Liebe zum Autospeedway entwickelte sich auf der Rennstrecke in Posterholt (NL), wo Frank zunächst mit einem Audi 50 in der Stockrodklasse antrat, um danach einen Sprint 1300 zu bewegen. Nachdem man im Anschluß einen Polo G40 einsetzte, wurde kurzerhand das Reglement geändert, denn der G-Lader zauberte reichlich Leistung in den VW. Mit zugelassenem Motor, aus einem National Hotrod entliehen, ging es weiter. Als nach den ersten Fahrversuchen beim Training auf der Rennstrecke in Venray am Abend alle Reifen zerfranst waren, kam Harry Maessen selbst bei dem Deutschen mit dem schellen Polo vorbei, um sich nach den Trainingsergebnissen zu erkundigen. Als er hörte, daß Frank keine Reifen mehr hatte, bot er sich an, Reifen aus seinem Fundus bereitzustellen, so daß der Polo am Renntag wieder einsatzbereit wäre. Durch Zufall stand in der Halle auch noch ein Starlet, mit dem zuvor Toon de Kleijn Hotrod gefahren war. Als Mann schneller Entschlüsse bekannt, machte man den Kauf sofort perfekt und dies wurde der erste Hotrod von Frank Nöhring. In den folgenden Jahren setze man verschiedene Modelle auf den Ovalen in den Niederlanden ein, ab dem Jahr 2000 war es ein Audi TT von Autocross. Neben einigen Starts in England nahm Frank 2003 auch an Rennen in Südafrika teil, wo die Hotrods auf Shale (Schotter) -Bahnen driftend Ihre Kreise ziehen.

 

Bereits schon viel früher wurde in England der Teamname, Gambler Racing, geboren. "Ich war oftmals für eine ungewöhnliche Reifenwahl oder eine andere Strategie als die Engländer bekannt und erhielt damals den Spitznamen The Gambler" erzählt uns Frank beim Durchblättern alter Fotos. Bei den Rennen in England war Frank gern gesehen und mit einigen Fahrern von der Insel verbindet ihn noch heute eine große Freundschaft. So ist z.B. der mehrfache Hotrod Worldfinal Gewinner Colin White, dem er bei einem World Final Sieg zur Seite stand, einer seiner Fahrerkollegen im Teil 2 von Frank's Rennfahrerleben. Das Team ist der Grundstein zum Erfolg, sagt Frank : "Bei einem 24h Rennen muß man leicht für 40 Teammitglieder sorgen, von der Anfahrt über das Hotel bis hin zur Verpflegung - eine echte Organisationsmeisterleistung".

            

Als man ihn in Posterholt wegen einer nicht ganz eindeutigen Situation mit einer Sperre belegte, wandte sich Frank dem Rundstrecken-Sport zu. Aus einem Hobbyausflug zur legendären Nürburgring Nordschleife, erwuchs der Wunsch, dort auch einmal zu fahren. Als Mann schneller Entscheidungen bekannt, wurde noch am gleichen Wochenende ein BMW aus der Startaufstellung heraus (!) gekauft und fortan eingesetzt. Mit dem aktuellen Renngerät, einem M3 - E36 Coupe mit 3,2 Liter Antrieb, wurden zahlreiche Rennen auf der Nordschleife bestritten. Neben diesen Rennen zählen sicher die Teilnahme am Dubai 24h und ein Einsatz beim Rolex 24h in Daytona USA auf einer Ginetta zu den Highlights der Karriere.

Im Oktober 2013 sollte dann noch ein neu aufgebauter M3 Motor in Hockenheim getestet werden, doch die Mühe blieb unbelohnt, der Trainingstag war überbucht und man konnte nicht fahren. Trotzdem war es Gerard Emming beim Abholen des Motors gelungen, Franks Interesse für die neue Klasse zu wecken - verbunden mit dem Versprechen, ihm einen geeigneten Motor zu bauen.

 

Beim ersten Training, am 12. April 2014, trübten noch einige technische Probleme mit dem Differential die Freude mit dem Rechtslenker. Das Zusammenspiel der Kraftübertragung mit dem Auspuff erfährt in dieser Woche noch etwas Feintuning, bevor es am Osterwochende ernst wird. Am Samstag kann noch einmal trainiert werden und am Sonntag geht die Ovalracing Karriere von Frank Nöhring glücklicherweise für uns in die nächste Runde. Ihm und dem Team wünschen wir viel Glück und immer das richtige Händchen bei der Abstimmung des Tigra in der 2.0 Hotrodklasse.

 

Gelingt Ihnen dies besser als den anderen Fahrern werden diese seufzend über der Fahrertür lesen : "Gambler inside" !

 

 

     

Stan Libuda April 2014